Mercedes W124 T-Modell

Mercedes Benz W124 – Youngtimer Denkmal

Ja ja… wir hören es schon wieder: „Meiner hat 9 Millionen Kilometer ohne Panne geschafft…“ „20 Jahre ohne Reparatur…“
Ja – irgendwo aus dieser Interessenlage heraus haben wir ihn damals auch gekauft – einen Mercedes W124 als T-Modell. Den fanden wir schon immer cooool. Und fair betrachtet: Der Mercedes W124 ist ein tolles Auto; konzeptionell sicherlich, qualitativ im Grunde wohl auch – unserer war es nicht – oder doch?.

Mercedes W124
Mei – das ist nun wirklich nicht standesgemäß, schon klar

Angefangen bei einer total objektiven Sache: Die Sitze der ersten Serie sind Dreck – ohne Einschränkung. Was Mercedes zu denen getrieben hat ist unklar – der 190er musste auch bis in die späten 80er mit denen Leben – vielleicht hatten deshalb so viele diese eigenartigen Holzkugeln im Wagen…
Das konnte Mercedes vorher schon viel besser, nachher sowieso. Unserer war ein 87er, da konnten sie es nicht. Handschaltung konnten sie eigentlich auch nicht, Einer der Gründe für die hohe Automatik-Verbreitung beim Mercedes W124 ist die üble Schaltung – ein weiterer ist die Fußfeststellbremse, mit der bei Handschaltung nur die wenigen dreifüßigen Leute gut anfahren können….

Mercedes W124 T-Modell
Wahre Schönheit kommt von innen – nicht von Lack, Leder und Alu

Aber zurück zu unserem ersten Mercedes W124. Ein T-Modell, ziemlich abgetragen, wenn man ehrlich war – und noch aus der Serie mit den miesen Badewannensitzen, bei denen man so ab 30 Kilometern bereits Rückenschmerzen bekommt, vor allem, wenn der Wagen schon mal so 150.000 drauf hat. All das war bei unserem Mercedes W124 T-Modell der Fall. Warum mochten wir ihn dennoch? Weil wir ihn geschenkt bekommen haben. Das war schon ziemlich cool.
Dennoch: Der Besitzer war mit dem Wagen nicht übermäßig liebevoll umgegangen. Der helle Innenraum total verwohnt – das hatte man wirklich schon besser gesehen…
Und dennoch: Es war ein W124! Wir wollten den immer schon haben – und dass wir auf diese Weise an ihn kommen würden, hatte was lässiges. Das mit dem Innenraum würden wir schon mal irgendwann machen.
Zu der Zeit pendelten wir noch weit – und als irgendwann unser Alltagswagen Mucken machte, pendelten wir einfach mit dem geschenkten Benz weiter. Immerhin hatte der mit seinen 132PS noch ziemliche Autobahnkompetenz. Schade nur, dass irgendwann der dritte Gang schlapp machte und wir immer vom 2. Gang in der Vierten schalten musste. Aber sonst… 85.000 Kilometer später sah der Wagen innen immer noch schlimm aus – aber jemand schenkte uns ein paar dekorative Felgen von einem W124 Coupé, die zu dem Zeitpunkt wohl das teuerste am ganzen Auto waren. Der TÜV rückte bedrohlich näher und etwas an der hinteren Achse machte ein polterndes Geräusch – dennoch schaffte der Mercedes W124 jeden Morgen die 85 Kilometer unserer Fahrgemeinschaft – und jeden Abend wieder. Und das mit knapp unter 10 Litern und ohne echte Wartungsarbeiten…

Mercedes W124 T-Modell
Auch in hässlichem Zustand ein Highlight: Der Laderaum des T-Modells ist unzweifelhaft fantastisch. Das kann nur der W210 besser – der wird allerdings restlos weggerostet sein, bis die W124er aufgebraucht sind

Wir hätten lieber einen schönen Youngtimer gehabt, aber der Mercedes W124 war längst zu unserem Alltagswagen geworden, der mehr konnte als das eigentliche Alltagsauto, das seit einem halben Jahr unrepariert herumstand…
Der TÜV kam und alle rieten uns ab – aber wir fuhren hin. Wenn der TÜV uns scheiden sollte, dann sollte das wohl so sein.
Zwei TÜV-Prüfer stocherten an dem Daimler herum, schnüffelten hier, drückten da und klopften dort – und erklärten uns dann, dass die hinteren Radlager an der Verschleißgrenze seien, aber das kein Hindernis sei – „geringe Mängel“, Plakette erteilt!
Wir nahmen das zum Anlass, dem W124 mal eine Wäsche und einen Innenreinigung zu gönnen – der Mercedes W124 230TE hatte ohne Murren 250.000 abgespult – das gab für uns den Ausschlag: jetzt würden wir uns einen Schönen Mercedes W124 kaufen, denn unterm Strich war der Wagen wohl offensichtlich jedes Geld wert, oder?


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