Rücksichtsvolles Fahren – erinnerst Du dich daran? Oder „Warum meine Kinder kein Motorrad fahren dürfen“

Wenn meine Kinder mich heute fragen, ob sie einen Motorrad-Führerschein machen dürfen, reagiere ich wie meine Eltern damals mit einem klaren, scharfen „Nein“ – allerdings aus anderen Gründen.

Ich selbst hatte gegen das Votum meiner Eltern Mitte der 80er Jahre sowohl ein Motorrad – und im übrigen auch 2 Unfälle damit, wenn auch glücklicherweise keine besonders gefährlichen – alle Arme sind noch dran, keine Knochen gebrochen, nur Blechschäden.

Zeugen einer anderen Zeit, in der nicht nur Schnurrbärte eine Rolle spielten

Heute hätte ich hin uns wieder noch Lust, Motorrad zu fahren – aber ich tue es nicht. Nicht, weil ich pauschal Angst davor hätte. Ich hab Angst davor, unter all den Irren Motorrad zu fahren, die heute auf der Strasse sind.

Vor 7 Jahren habe ich das Haus meiner Eltern übernommen – das Haus, in dem ich meine Kindheit verbracht habe, dann aber gut 20 Jahre woanders gelebt habe. Die Strasse, in der sich das Haus befindet, ist eher enger als der Durchschnitt, windet sich, hat große Höhenunterschiede und ist total unübersichtlich. Das war sie auch in den 70er und 80er Jahren schon (und vermutlich auch davor, aber daran erinnere ich mich nicht…).

Wenn Leute die Strasse in den 70er Jahren herauf gefahren kamen mit ihren Käfern, Granadas und Opel Rekord, dann passten sie ihre Geschwindigkeit der Strasse an. Das war für uns sehr wichtig. Neben dem Haus ist eine Garage mit einem Platz davor, auf dem tagsüber im Regelfall eines unserer Autos steht. Und aus diesem Platz muss man dann rückwärts raus fahren. 1980 hieß das: Man fuhr leicht an, bis man ein wenig auf die Strasse ragte – kam gerade ein auto die Strasse hoch, so hielt das an oder wurde zumindest signifikant langsamer. Heute fahren die Autos einfach weiter – und das mit hoher Geschwindigkeit. Manche hupen sogar, anstatt sich einfach kurz die 5 Sekunden Pause zu gönnen, um mich aus dem Parkplatz fahren zu lassen.

Ich glaube, dass das dieselben Leute sind, die auch aus Prinzip keine Rettungsgasse auf der Autobahn bilden, was ja scheinbar auch ein umfassender trauriger Trend auf den Autobahnen Europas ist.

Sah von weitem immer ein bisschen aus wie eine BMW R45, was ich damals cool fand

Wie schwer ist normales Benehmen eigentlich, wenn man im Auto sitzt? 2015 musste ich in München in der Nähe der Uni mitbekommen, wie ein Auto über den Radweg zog und dabei einen Radfahrer von etwa 10 Jahren umfuhr. Weil der Autofahrer keine Zeit hatte, schrieb er allen ernstes mit einem Kugelschreiber seine Handynummer auf den Unterarm des Jungen und fuhr dann weiter, weil er ein wichtiges Meeting hatte. Ein älterer Herr zeigte ihn an – zurecht, zurecht, zurecht.

Als ob das nicht irre genug gewesen wäre, erzählten uns die Polizisten, die kurze zeit später eintrafen, dass das gar nicht mal so unüblich sei…

Wenn Du mal mit einem langsameren Auto, wie ich kürzlich bei einem Umzug, von der rechten Spur der Autobahn auf die Linke wechselst, um einen LKW zu überholen, dann flasht dich erst einmal ein Audi S3 und blinkt dich mehrfach an, in der Hoffnung, du würdest dich in Luft auflösen, damit er 19 Sekunden eher am Ziel ankommt – möge er auf dem Weg einen Herzinfarkt erleiden, was soll der Mist?

Ich mag Wörter wie „drakonische Strafen“ nicht – aber irgendwie….

Und deshalb werden meine Kinder wohl erst mal keinen Motorrad-Führerschein machen. Schade, das waren schöne Zeiten.






7 Kommentare

  1. Ja, rücksichtsvolles Fahren, aber dazu gehört vor allen Dingen u.a.

    § 10 StVO: Wer aus einem Grundstück auf die Fahrbahn einfahren will, muss sich dabei so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Erforderlichenfalls muss er sich einweisen lassen. M.a.W.: normale Wartepflicht plus besondere Vor- und Umsicht („äußerste Sorgfalt“).

    Und wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist.

    1. Tja… was sollen wir dazu sagen….? Gesetzestexte allein helfen da exakt garnichts – es redet ja niemand davon, einfach rücksichtslos nach hinten zu fahren oder ähnliches…

      1. Gesetzestexte allein helfen nicht, aber es würde sehr helfen wenn jeder sie selbst beachten würde anstatt sich über andere zu echauffieren.

        Also z.B. beim herausfahren aus einer Ausfahrt den fließenden Verkehr beachten und ihm Vorrang gewähren, ggfs. auch wieder zurück in die Einfahrt fahren als verkehrsgefärdend zum Teil in den Verkehr zu ragen.

        Und vor allen Dingen beim Ansetzen zum Überholen auf der Autobahn den Verkehr auf der linken Spur neben der eigenen beobachten und auf eine ausreichend große Lücke warten. Im Zweifel besser abbremsen als rücksichtslos rauszuziehen und den schnelleren Verkehr zum Abbremsen oder Ausweichen zu nötigen. Das ist nicht nur eine Straftat (gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr / Nötigung), sondern dumm, rücksichtslos und lebensgefährlich.

        Also besser statt den fließenden Verkehr zu Änderung des Verhaltens aufzufordern lieber die Ausfahrenden und Überholenden zu mehr Rück- und Umsicht auffordern!

        1. Da ist er also wieder, der deutsche Kleingeist, der sofort mit dem Gesetzestext wedelt und bei Bedarf auch seinen Nachbarn anzeigt. Ein wenig Verständnis, Rücksicht, Nächstenliebe und weniger Belehrungsbedürfnis stünde Ihnen sicher gut zu Gesicht.

  2. Das einzige, was ich hier lese, ist, dass jemand auf Biegen und Brechen einen Kommentar schreiben will.
    Es ist doch vollkommen klar zu erkennen, dass der Autor nicht ansatzweise von dem schreibt, was hier kommentiert wird.

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