Fiat 130

Fiat 130 – Der Flop, der vor 40 Jahren endete, war so mega lässig, oder?

Italienische Oberklasse fanden wir eigentlich schon immer cool – nicht für den Alltag natürlich, da gehen sie den Weg aller Südeuropäer aus dieser Zeit und einen sich mit prominenten Fahrzeugen wie dem Citroen CX oder dem Peugeot 604.

Aber der Fiat 130, das ist einer unserer persönlichen Lieblinge – und nicht erst, seit Kopper ihn im Tatort fuhr. Immerhin: vielleicht eine der wenigen Verbindungen von Auto und Ermittler im Tatort, die nicht gekünstelt sind. Abgesehen davon bleibt das natürlich dennoch schwachsinnig, weil kein vernünftiger Mensch Mörder in 40+ Jahre alten Autos jagen würde. #Tatort eben…

Fiat 130
Die Linie war sehr klar und gar nicht so schwülstig. Im Fiat 132 wurde sie später nahezu 1:1 fortgesetzt

Wer aber mal das große Glück hatte, den ungemein seltenen Fiat 130 zu fahren, der muss zugeben, dass der Wagen seinen Job ausnehmend gut machte. Der tendenziell zerklüftet wirkende Innenraum entspricht der Folklore, die damals bei hochwertigen Autos wie auch Ferraris und Maseratis absolut üblich war. Und diese Rolle spielte der Fiat 130 zur Vollkommenheit: Er war so gar nicht Großserie wie das restliche Turin, sondern wirkte vielmehr durchaus Tailor-made, was bis heute cool ist. Das bedeutete allerdings nicht, dass er im klassischen Sinne wertig wirkte – obwohl diesen begriff damals noch niemand verwendete.

Seine unglaublich gerade Linie war damals bei Fiat die aktuellste Mode – der Fiat 128 sah so aus, der Fiat 124 trug die gerade Drei-Box Linie – später belegten Marketing Leute so etwas dann mit Hirnerbrechen wie „Neue Sachlichkeit“ und ähnlichen Unsinnigkeiten. Was wir hingegen im Fiat 130 immer gesehen haben, war ein Mafia-Auto, was vermutlich mit Kindheitserinnerungen an Urlaube in Brindisi und Ventimiglia zusammenhängt.

Der Fiat 130 Opera schaffte es leider nicht bis in die Großserie, gehört aber sicherlich zum Schärfsten, was Fiat damals auf Kiel legte

Unsere Eltern hatten bei uns Kindern die politisch unkorrekte und ebenso spannende Vorstellung geweckt, das gut gekleidete Männer mit Sonnenbrillen allesamt bei der Mafia seien. Immer, wenn ein pomadierter Typ in gut sitzendem Anzug und Sonnenbrille über die Strasse lief und wir Kinder ihm hinterher spionierten, dann steig der am Ende in einen Fiat 130. Und der war ungemein repräsentativ – obwohl ihm das genau zur Last gelegt wurde. Die Weltpresse beschrieb ihn gerne als „barock“, was heute nur schwer nachvolziehbar erscheint – aber tatsächlich muss man in aller Fairness sagen: Ein zeitgenössischer /8er war natürlich weit sachlicher.

Nur: Das ist ein wenig so, als vergleiche man ein hippes italienisches Restaurant mit dem „Schwarzen Schwan“ im Balinger Hinterland, um dem Italiener dann vorzuwerfen, er serviere keinen anständigen Sauerbraten und es mangle ihm an einer breiten Trollinger-Auswahl…

Fiat 132
Der Fiat 132 machte das beste aus dem geerbten Design. Später mussten wir so einen auch einmal fahren – aber das ist eine andere Geschichte

Unser persönliches Fiat 130-Erlebnis sollte nur einen Sommer halten. Wir erwarben im späten April eine Limousine vom Typ 130 für satte 2600 Mark. Wie damals üblich, war der Tacho nicht zurück gedreht, sondern „defekt“. Mit dem Mut dreier Teenager schnappten wir uns unsere Sonnenbrillen und nutzten die Feiertage, die im Mai zahlreich sind, für einen Kurz-Trip nach Brindisi… Da sagt jetzt jeder Erwachsene spontan „Kurz-Trip??“ Ja… das waren gerade mal lächerliche 1800 Kilometer – aber es roch so angenehm nach Vergangenheit, Leichtigkeit und Abenteuer…

Fiat 130 ramsch
Beim Fiat 130 leider eher die Normalität. Gerettet und gepflegt wurden nur die Coupés

Wir blieben liegen bei Freiburg, bei Como und in einem namenlosen Kaff in der Nähe von San Marino. Ales keine wirklich kritischen Defekte, aber stets solche, die uns die Weiterfahrt vergrätzten. Bei San Marino war es ernst: da hatte die Lichtmaschine ihren Geist aufgegeben und die war nicht so einfach zu bekommen für diese exotischen Fiat, von dem der Großserienhersteller gerade einmal 16.000 Stück produziert hatte.

Man half uns aus mit einer „einigermaßen passenden,“ die die Tour durchhielt. Wir verbrachten ein paar tolle Tage in Brindisi, fühlten uns wie die Könige und fuhren jeden Tag mit dem Fiat 130 und unseren Sonnenbrillen durch die Stadt… Der Fiat 130 war eine coole Oberklasselimousine – dessen waren wir uns erst sicher, als wir mit heruntergelassenen Fenstern durch die Stadt fuhren und jungen Italienerinnen hinterher pfeifen konnten. Der Wagen stellte etwas dar und fuhr sich wirklich toll – ein großartiges Landstrassenauto mit einer ausgezeichneten Federung und derben Strassenlage, mit der wir damals sicherlich zu mutig umgingen.

Die Rückfahrt blieb pannenfrei. 4 Tage danach löste sich auf der Autobahn der Kühler und schlug so ungünstig gegen den Motor, dass 2 Kolben ihre endgültige Position im Zylinder fanden… Das war einerseits nicht bezahlbar, ließ sich aber auf einen Mangel zurückführen, den der Händler bewusst verschwiegen hatte.

So blieb die Sache kostenneutral – und uns bleibt immer noch Brindisi…






3 Kommentare

  1. Ich habe einen solchen Fiat 130 (u.a. mit einer funktionierenden, auf R134a umgerüsteten Klimaanlage) zu verkaufen. Da ich kein WhattsApp und FB habe, bitte unter der eMail-Adresse fiat130@altaberbezahlt.org melden, wenn Interesse an dem Wagen besteht.
    Der Link für „meine“ Website zeigt zur Nachlese eines Schraubertreffs den ich regelmässig besuche wo der Wagen im Juli 2016 gefeatured wurde.

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