Legenden der Gegenwart: Golf 2

Der 2er Golf… Als Florian Illies „Generation Golf“ schrieb, hatten wir ehrlich gesagt immer eher den im Kopf als den 1er Golf. Das ist von der beschriebenen Generation her nicht ganz richtig – aber auf gewisse Weise ist der 2er Golf in vielem eigentlich der erste echte Golf. Warum? Der erste Golf auf dem Papier verfehlte eigentlich die ausreichende Familienfreundlichkeit.

Als GTI schon zu Lebzeiten überaus begehrt. Die kleineren Motorisierungen sind heute oft besser erhalten. Man achte auf das kurveninnere Rad.

Der 2er Golf sorgte ab 1983 nämlich erst für das echte Catch-em-All Appeal des Golf, denn jetzt passte plötzlich alles rein und der Wagen gewann unheimlich an Erwachsenheit. Vor allem im Innenraum, wo nun plötzlich kein blankes Blech mehr zu sehen war, robuste Stoffe Einzug hielten und einfach ein gewisser „Stil“ Einzug hielt – natürlich die Volkswagen-Form von Stil, also unemotional, blutleer, aber eben wertig.

Und wertig war der Golf wie kaum ein anderer – er definierte die Klasse wirklich neu – und er tat das ein für allemal. Die folgenden Golfs waren im Grunde Updates des Konzeptes und blieben sich (dern Golf V mal ausgenommen) erstaunlich treu.

Der Golf 3 rostete, der Golf 4 hatte andere technische Probleme – aber bis zum heutigen Siebner Golf sind sie Gölfe geblieben wie der Zweier Golf – ein Seriositätsbenchmark seiner Klasse im Jahre 1983. Er sollte später statistisch der Lieblings-Zweitwagen der Mercedes E-Klasse Fahrer werden, was eine Menge über den Golf aussagt in Zeiten vor der A-Klasse.

Golf 2 und Passat 3B – qualitativ besser ist VW nie mehr gewesen

Golf zwei innen
Bei so viel Sachlichkeit wurden selbst Mercedes-Konstrukteure blass

Aber der Golf definierte auch etwas ganz anderes: Er definierte einen Benchmark für Qualität in der Klasse. Kürzlich waren wir bei der Abschiedsfeier eines KFZ-Meisters, der im Rückblick auf fast 50 Jahre Schrauben sagte „Golf 2 und Passat 3B – qualitativ besser ist VW nie mehr gewesen.“ Und schaut man sich einmal an, wie viele Golf heute noch im täglichen Einsatz sind… Da kann man schon glauben, dass das eine gesicherte Ersthandinformation ist.

Golf 2 – oder im innermilitärischen VW Jargon „Typ 19“ – sind tatsächlich immer noch massiv im Alltag unterwegs, obwohl es mittlerweile auch tatsächlich eine Menge Fans gibt, die dem Wagen auch ein H-Kennzeichen spendieren, was man manchmal gar nicht glauben möchte. Denn tatsächlich fährt der Golf sich auch heute noch erstaunlich zeitgemäß, ist gut gefedert, vor allem für ein Autos aus dieser zeit und Klasse gut gedämmt, was ihn auch zu einem passablen Langstreckenauto macht – darin waren seine Vorgänger bedeutend schlechter. Und obwohl er einem damals im Verhältnis zum Golf I, Typ 17, so unglaublich aufgebläht erschien, muss man heute schon sagen: Der fährt sich fast wie ein Go-Cart. Der Wagen geht knackig um Kurven (ausser mit den 155er Reifen), ist leicht und sehr direkt. Servolenkung ist hier noch Unsinn.

simpel soll er sein, golfig und gut

Und er hat dieses angenehm kompakte Format, bleibt unter 4 Metern und hatte dennoch ausreichend Laderaum. In den 90ern sind wir mit dem zu fünft nach Südfrankreich gefahren – mit Studentegepäck für 2 Wochen – das ging.

Man muss sich nicht wundern, dass der Golf 2 auch heute noch vielen Leuten als Alltagsauto dient, obwohl er längst ein moderner Klassiker ist – der Wagen ist konzeptionell und qualitativ auf der Höhe – und wie man bis heute an der linken Heckleuchte sehen kann – ausgezeichnet konserviert 😉






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