Die alte Frage: Youngtimer restaurieren im Ostblock?

Wo solche Wagen repariert werden können…. 😉

Da diese Frage doch immer wieder mal aufkommt, haben wir uns dieses Themas doch noch einmal angenommen… Wir selbst haben hier tatsächlich durchaus gemischte Erfahrungen gemacht – und das deckt sich tatsächlich mit vielen der Erfahrungen, die ihr uns schildert.

Da gibt es die einen, die schwören auf einen Betrieb in der Nähe von Krakau und die anderen, die sagen „nie nie nie mehr!“ – liegt da die Wahrheit wie so oft in der Mitte?

Wir haben Eure Mails herangezogen, diverse Leute in Foren befragt und ein bisserl herumtelefoniert – und die Ergebnisse sind schon erstaunlich…

Ist Polen noch das gelobte Youngtimer-Land?

Ganz klar: Jein. Obwohl Polen ja vor einigen Jahren seine Währung erheblich abgewertet hat, sind die Preise für Restaurierungen praktisch im selben Maße gestiegen – die Orientierung sind hier ganz klar westliche Preise mittlerweile. Unsere letzte Polen-Restaurierung fand im Jahr 2011 statt – damals hatten wir einen Kostenvoranschlag von gut 4.500€ und sind dann mehr oder weniger blind nach Polen gefahren, 100 Kilometer ins Landesinnere und haben begonnen, uns umzuhören. Tatsächlich haben wir einen mittelgroßen Betrieb gefunden durch Hinweise, bei dem sich die W116er und R107er schier häuften. Der hat unseren W114 für umgerechnet nicht ganz 1800€ wieder auf Vordermann gebracht, konnte aber aufgrund fehlenden Materials einen Teil der Lackierung nicht machen, was wir dann für weitere 400 in Deutschland nachholen mussten. Ergebnis war wahrscheinlich realistisch eine 8 auf einer Skala von 1 bis 10.

Die Zeiten sind aber heute ganz klar rum. Für einen unserer aktuellen Wagen, einen Ford Escort Cabrio, haben wir in Polen telefonisch und mit Versand von Bildern fast die gleichen preise genannt bekommen, wie hier in Deutschland – und dann bist Du noch nicht nach Polen gefahren, was auch nicht gleich an der nächsten Haltestelle liegt. Inhaltlich ist unsere Erfahrung die, dass in Polen ausnehmend gutes Handwerk geleistet wird, wenn es um Karosserie-Themen geht – viele andere Komponenten, etwas Fahrwerke und Bremsen, die man nicht gleich so leicht sieht, doch oft abenteuerlich behandelt werden – ein Klischee fast schon, aber durchaus wahr – und das ist auch der Gesamteindruck, der sich in den meisten Foren zu diesem Thema findet.

Hinzu kommt – und das gilt dann für alle Ostblock-Länder: Willst Du bei Reklamationen wieder 1400 Kilometer fahren….?

Weiter in den Osten? Ist das die Lösung?

Riga gilt tatsächlich als eine der neuen Kultstätten des Restaurations-Tourismus.

Äh… hast Du dir das mal auf der Karte angesehen….? Fahrbarkeit des Wagens vorausgesetzt, bist Du da netto im günstigsten Falle von, sagen wir mal Frankfurt, in 24 Stunden da… Und dann ist es schon eher gut gelaufen – wir haben es probiert… In aller Fairness: Riga ist der Hammer – eine sehr lebendige Metropole, in der sich wirklich etwas tut. Tolle Clubs, jede Menge junger gut ausgebildeter Leute – und Werkstätten wie in den 60er Jahren – im Guten wie im Schlechten. Mit Autos aus den 90ern kann man in Riga selbst noch gut umgehen – verlass die Hauptroute und es sieht schnell anders aus. Meisterhandwerk im klassischen Sinne gibt es hier nicht – aber dafür Stundenlöhne, die bei uns in den 50ern als unanständig gegolten hätten. Unser Ergebnis hier: Gute Arbeit in zwei Fällen, organisatorisch sehr abenteuerlich – da brauchst Du schon Mut und vielleicht solltest Du da auch nicht direkt alleine hinfahren – keine Vorurteile, sondern Erfahrungen.

Heckflosse
Als wir noch solche fuhren, war Polen das absolut gelobte Land

Alles in allem waren wir mit unseren bisherigen Erfahrungen dort sozusagen gemischt zufrieden, nicht mehr, nicht weniger.

Aber auch hier gilt: Vergiss das gelobte Land. Der Weg ist aufwändig – immerhin sind die Flüge billig (um 100€ mit entsprechendem Vorlauf) – aber die Frage der Garantie und ähnlicher Themen bleibt.

Slowenien, Kroatien, Ungarn – ist das die Lösung?

Effektiv nicht. Die Preise sind bei größeren Objekten sehr nahe an die Deutschen herangerückt, bei kleineren Themen lohnt sich oft die Reise nicht. Speziell in Ungarn gibt es einige Werkstätten, die explizit Preise für Deutsche und Österreicher aufweisen, die schlicht 2/3 höher sind als die inländischen Preise und – zumindest offiziell – eine klare Ablehnung dieses Geschäftsmodells zeigen. Unsere Erfahrungen und die in einschlägigen Foren decken sich hier: Das ist eine eher politische Aktion. Aber dennoch: Ein gutes Gefühl gibt es Dir nicht.

Alles in allem scheint sich immer klarer abzuzeichnen, dass Europa auch in diesen Belangen näher zusammengerückt ist: Die Preise ziehen an, die Goldgräber-Zeiten sind vorbei. das kann man persönlich sehr bedauern, am Ende ist es natürlich richtig.







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