Im Stil unterschätzt: Volvo S80 – das Maß für innere Werte

Jetzt mal nicht gleich rum heulen, dass der Volvo S80 keinen Heckantrieb hat – viele geile Autos haben das nicht: Siehe nur Saab 9000, diverse Amis aus den 80er und 90er Jahren, der Audi 100… also erst mal Klappe halten.

Macht der was her oder was? Bereits seit Ende der 90er Jahre gebaut, kann sich der Volvo immer noch sehen lassen – das ist Bang for Budget: Der Wagen macht was her, kostet aber soviel wie ein Dacia

Das gilt in vielerlei Hinsicht umfassend für den Volvo S80 – der ist damals schier untergegangen und kam irgendwie so sachlich rüber wie ein IKEA Regal – aber das stimmt eigentlich nicht. Lässt man sich auf den Wagen erst mal ein wenig ein, stellt man verschiedene Dinge fest, die an ihm cool sind. Da ist einmal diese mangelnde Bekanntheit. Das ist ein großes Auto, der ist von einer Premium-Marke – der muss doch teuer sein, oder?

Ja – mit dem Volvo S80 kannst Du mal schön einen auf Dicke Hose machen, wenn das Dein Ziel ist, ganz klar – der wirkt auf der Auffahrt immer noch massig und mächtig. Nicht direkt eine S-Klasse, aber eben zeitlos und irgendwie latent wertvoll – vor allem dann, wenn der Vorbesitzer dran gedacht hat, Leder zu bestellen. Der Rest ist dann nahezu wurscht. Es mag den Volvo S80 mit idiotischen Motorisierungen nahe der 300PS geben – aber sfw?

Ist der auch zuverlässig? Faustregel: je einfacher die Modelle sind, desto besser – und Volvo Ersatzteile sind nicht billig – da hört Dicke Hose dann schon mal schneller auf, als einem Lieb ist. So zeigen sich bei den stärker motorisierten Modellen etwa die Automatikgetriebe als anfällig, ebenso die Antriebswellen. Beim 272PS Modell ist die Automatik auch in der Steuereinheit kritisch – bei den kleineren Modellen eher nicht.

Unverkennbar: Zielmarkt USA, große weite Welt – und in Teilen fährt sich der frontgetriebene Volvo auch ein bisschen so – nur besser. Lexus verhinderte in den Staaten einen größeren Erfolg – die hatte Volvo nicht auf der Rechnung gehabt

Ein ganz profaner S80 mit ein bissel Ausstattung, beispielsweise Leder und natürlich Automatik – der macht aber eben schon wirklich was her. Und er fährt sich so, wie man das auf seinem Zielmarkt gebraucht hat – er fährt sich wie ein Ami mit europäischer Abstimmung. Das konnten sie damals bei Volvo tatsächlich.

Alles in allem ist der Wagen somit für das dekadente Herumschweben geeignet, gleichzeitig aber noch schmal genug, um mal ohne Sorge in ein Parkhaus schüsseln zu können – das hat was. Darüber hinaus ist der Volvo – sofern Du nicht gerade die Fünfzylinder voll beschleunigst – ein wirklich angenehm leises Auto, in dem Du heute immer noch jeden Vorstand mitnehmen kannst, ohne Dich zu blamieren, auch wenn die Bedieneinheiten der Volvo Cockpits ab dieser zeit immer ein bissel aussehen wie V-Tech Lerncomputer und einen bizarr kindlichen Touch zu haben scheinen. Tut dem Gesamteindruck des Wagens aber am Ende keinen Abbruch.

Die Bedienelemente sind zum Teil ein wenig kindlich, vor allem die für die Klimaanlage wirken in Teilen fast etwas lächerlich – das ist im Innenraum aber auch der einzige Bug des Volvo S80. Und: Auf Leder achten.

Wer jetzt sagt „Warte mal – wie steht es denn bei dem um den Porno-Quotienten?“ – der hat schon recht, den müssen wir graduell enttäuschen: Was das angeht, hat Volvo immer schon einen kleinen Blind Spot gehabt – vielleicht einfach im Durchschnitt zu kalt da oben.

Ansonsten aber geht der Volvo S80 nicht nur voll okay – er ist auch extrem bezahlbar – wer 5000€ übrig hat, der bekommt teilweise schon echte Traum-Exemplare. Die besten übrigens nicht in Deutschland, sondern vielmehr in den Niederlanden und Belgien, in denen Volvo immer einen etwas höheren Premium-Touch gehabt hat und entsprechend gepflegt wurde.






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