Isuzu Trooper

Geländewagen in den 80ern: Die große Stunde der Japaner

Die späten 70er und frühen 80er Jahre waren eine große Zeit für die japanischen Importeure in Deutschland. Nach einer Art Kulturschock in den 70ern, in denen die Japaner zunächst Autos importiert hatten, die aussahen wie kleine Amis und in Teilen einfach zu simpel wirkten, sprach sich ihre grundlegende Solidität schneller herum, als allen Wirtschaftsministern lieb sein konnte – und obwohl die Automotive Lobbyisten stets an der Tür der Regierung kratzten und Strafzölle forderten, erlebten die Japaner einen Aufwind und wurden schlicht in rasender Geschwindigkeit besser.

Allrader-Provider Nummer 1: JPN

Tatsächlich hatten die japanischen Marken aber ihren wahren Höhenflug im Segment der Allrader, das zu der Zeit grundsätzlich noch nicht voll entwickelt war, jedoch im Speziellen bei den Deutschen Herstellern noch gar nicht im Kopf angekommen war. Ende der Siebziger konnte man bei Deutschen Herstellern den Mercedes G kaufen – und entgegen anders lautender Gerüchte war der auch damals schon sündhaft teuer – und wer soviel Geld nicht ausgeben wollte, konnte bei Volkswagen den Wagen mit dem unfassbaren Namen „Iltis“ erwerben. Beides sehr ernsthafte Geländewagen, die irgendwie nicht recht in den Alltag des typischen Germanen passen wollten.

Mitsubishi Pajero
Mitsubishi mit zweifelhaftem Namen: Der Pajero oder Shogun – je nach Land und Verbreitung der Spanischen Sprache

Tatsächlich waren es die Japaner, die die Art Allrader lieferten, die die Deutschen cool finden sollen – mit geschlosseneren Karosserien, sanfterem Erscheinungsbild, das nicht ganz so nach Wald roch – und abgesehen davon: Signifikant erschwinglichere Preise, gepaart mit dem Ruf des Robusten, verlässlichen… Gute Startvoraussetzungen.

Rollenmodell: Es war nicht nur der Mitsubishi Pajero

Tatsächlich wird der Mitsubishi Pajero oftmals fälschlicherweise als der Pionier dieser Klasse eingestuft, die später auch gerne als „Die großen Drei“ oder „Die großen Vier“ bezeichnet wurde. Gemeint waren damit neben dem Mitsubishi Pajero der Nissan Patrol, der Toyota Landcruiser und eben manchmal auch noch der Isuzu Trooper.

Tatsächlich erschien der Mitsubishi Pajero nicht als erster – vielmehr war der Pajero das letzte Modell dieser Klasse von Geländewagen, was historisch schon interessant ist.

Der Urvater: Nissan Patrol 160

Der Allrader mit dem militärisch klingenden Namen Nissan Patrol 160 debütierte bereits 1979 in seiner geschlossenen Station-Form – zu dieser zeit war ein Geländewagen dieses Namens bereits seit knapp 30 Jahren im Programm des Japanischen Herstellers – von der Karosseriestruktur her jedoch lange Zeit zunächst im Stil des Willy’s Jeep gehalten und die Motorisierung des Militärs und der Polizei Japans, später auch für Krankentransporte und ähnliche öffentlich organisierte Themen.

Der Nissan Patrol 160 , der zunächst in Deutschland noch unter dem damaligen Label Datsun angeboten wurde, kam 1979 auf viele Märkte, jedoch erst 1981 auf den Deutschen, erschien jedoch bereits ein Jahr vorher in Österreich und wurde von dort aus praktisch ab Erscheinen auch über Graue Märkte in Deutschland angeboten, was Datsun praktisch unter Zugzwang setzte.

Nissan Patrol Datsun
Die kurzen Modelle des Nissan Patrol wirken noch maskuliner als die Langen, die sicherlich die frühe Form eines familientauglichen SUV darstellen – die sehr sehr frühe Form – denn die Dinger können noch echt Gelände und bestehen aus den dafür notwendigen (schweren) Zutaten

Der Wagen debütierte erfolgreich und trat mit relativ großen Maschinen von 2800 und 3300 Kubik an, was wohl als stattlich gelten durfte – beides Drehmomentstarke Maschinen, die – ob als Diesel oder Benziner – mit Ausnahme von Einzelfällen als unglaublich robust durchgingen und den Patrol schnell zur Legende machten – zumal der Wagen darüber hinaus trotz Präsenz und Gewicht geländegängig geblieben war.

Fast Follower: Isuzu Trooper

Der Trooper erschien 1981 und wäre vermutlich unter einem etwas bekannteren Label zu einem Riesenhit geworden. In viele Ländern schaffte er das auch: Isuzu gilt als einer der Hersteller, die seit Jahrzehnten die verlässlichsten und robustesten Fahrzeuge herstellen und wird in manchen Regionen da gleichauf mit Toyota genannt. Der Trooper (oder Rodeo) wurde zudem unter diversen Labels gebaut – sogar als Subaru, unter diversen GM-Flaggen und Namen in über 100 Länder exportiert (und damals gab es weit weniger Länder als heute…). Hinzu kam: Er war kompakter und leichter als der Patrol und gewann damit viele Freunde in unwegsamen Gebieten.

In Deutschland wurde er phasenweise recht erfolgreich über Opel-Händler vertrieben – die Nachfolgegeneration erschien gar als Opel Monterey auf dem Deutschen Markt, dem damaligen Oberklasse-Geländewagen Opels.

Isuzu Trooper
In Deutschland über Opel-Händler vertrieben, in der Welt erfolgreich: Der Isuzu Trooper, der hierzulande zwar eine Fangemeinde hat, jedoch nie die Zahlen des Pajero erreichte

Der Schlanke Allrader Isuzu Trooper hat auch heute noch weltweit viele Freunde – selbst über 30 Jahre alte Modelle finden sich heute noch im Alltagseinsatz – speziell in den Regionen, in denen Rost keine so große Rolle spielt – denn hier hatten die frühen Modelle leider ein großes Problem.

Toyota Landcruiser J6

Ebenfalls noch vor dem Mitsubishi Pajero erschien 1981 die Station-Version des Toyota Geländewagens, der zu diesem Zeitpunkt auch schon auf eine stattliche Tradition zurückblickte. Für Toyota war das der Eröffnungsgong für Größenwachstum und Luxus in diesem Segment – die aktuellen Landcruiser, wie sie in den USA erfolgreich verkauft werden, haben die Größe kleineren Reihenhäuser erreicht… Der US Markt will das so, der Sprit ist billig und Platz scheinbar reichlich vorhanden. Der J6 wurde später vom J8 abgelöst, der später das begehrteste Auto des Russischen Mafia Neugeldadels werden sollte – bis dahin jedoch fuhr der Tyota Landcruiser J6 diverse Rekorde ein und etablierte sich eben auch vor Deutschen Reihenhäuser – sozial weit eher akzeptabel als eine Mercedes G-Klasse.

Toyota J6
Der Toyota J6 läutete bereits die Reise in Richtung Oberklasse ein, die später in den USA den Trend für die fettleibigen SUV ebnete

Daneben gebührte dem geländegängigen Wagen auch die Ehre, von Deutschen Kommunen angeschafft zu werden, was bis dahin vielerorts als undenkbar galt – aber die Deutschen Hersteller konnten schlicht nicht mit angemessenen Alternativen aufwarten – wie so oft hatten die Deutschen hier einen Markt verschlafen, der erst mit dem Opel Frontera so richtig entstehen sollte (Auch der übrigens eigentlich ein Isuzu…).

Finally: Mitsubishi Pajero

Was die Marketing-Strategen zu dem fragwürdigen Namen bewogen hat, ist international nur schwer nachvollziehbar – das Wort Pajero bedeutet auf Spanisch ungefähr „Wichser“ und galt somit nicht als verkaufsfördernd, was den Pajero zum „Shogun“ auf diesen Märkten mutieren ließ. Auch auch für den Deutschen Markt war es Gift – hier sprach man das gerne Patschehro aus statt Pachero oder gerne auch Pädschäro in verzweifelter Suche nach dem Englischen als Lehnsprache.

Karriere-schädlich war das ganze scheinbar nicht: Der Mitsubishi Pajero wurde das finale Rollenmodell der Geländewagen der frühen 80er Jahre in dieser Klasse.

Die Phase der großen Vier

Im Anschluss an die großen Vier konnte es nur noch bergab gehen. Die Rollenmodelle wurden kopiert, verfälscht, verwässert und von solchen Companies zum Erfolg geführt, die sie trendy fanden – ein Wort, dass es bei Erscheinen der großen Vier noch gar nicht gab… Oft sehnen wir uns noch ein bisschen nach den großen Jungs zurück – die, die es noch ernst meinten und ehrlich waren. Bedingungslos zuverlässige Geländegänger, Langzeitautos der besonderen Art.



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