Die Premium-Volkswagen – eine lange Geschichte des Scheiterns…?

Mein Opa hat lange Jahre noch über den VW K70 gelacht, den er immer als den „gescheiterten Versuch“ bezeichnete. Und irgendwie scheint VW in diesem Segment tatsächlich von Beginn an ein Problem anzuhaften… Und immer wieder fragt man sich: Warum macht VW das eigentlich grundsätzlich, wenn sie doch Audi für Premium-Limousinen im Konzern haben?

Der erste Versuch: VW K70

Historisch betrachtet war es der K70, der VW gerettet hat, wenn man so will: Er brachte die neuen Motoren, brachten den Frontantrieb und die Wende, nämlich die Abkehr vom Luftgekühlten Boxer im Heck, der zu der Zeit nun wirklich nicht mehr so recht state oft the art war…

VW K70
Volkswagen K70 – ein Beute-Auto, das der Konzern sozusagen im Handstreich erwarb

Dennoch hatte es der K70 nicht leicht: Da traute sich so ein VW in eine Klasse, die eigentlich Fahrzeugen wie dem Opel Rekord und ähnlichen Platzhirschen vorbehalten war. VW war hier mit dem 411er schon vollkommen aufs Maul gefallen – aber der K70 war schon ein ernsthafter Versuch, während der VW 411 ein aufgeblasener Käfer und als solcher auch leicht zu erkennen war. (Aufblasen sollte hier aber Tradition bekommen, dazu später mehr). Warum wurde der K70 zum Flop? Die gründe hierfür sind wie so oft nicht einzelne Gründe, sondern sicherlich eher eine Summe aus Verfehlungen. Obwohl der K70 mit kaum etwas über 1000 Kilo überraschend leicht war – nicht nur aus heutiger Sicht – war der Wagen ein Säufer. Da mag jetzt manch einer glauben, das sei vor über 40 Jahren nicht so wild gewesen – war es aber – und zwar ganz genau zu dieser Zeit. Das war die Zeit, als Sonntagsfahrverbote grad en vogue waren wegen der Energiekrisen…Der Luftwiderstand des Wagens war schier spektakulären 0,50 schlicht zu hoch. Das 100PS Modell schaffte gerade einmal 162 KM/H, was viel über den Widerstand sagt, den der K70 dem Wind bot. Und da gingen dann eben in Tests auch mal 14 Liter durch…

Dann war schon die Präsentation schief gelaufen – angekündigt als NSU, lief der Wagen plötzlich als VW vom Band, was aus Marketing Sicht nicht gerade Glorie hatte… Parallel erschien der VW Passat – der war nicht so viel kleiner, aber billiger und variabler und machte dem K70 das Leben schwer – und letztlich tat sich hier das größte Problem auf: VW war der Hersteller der Käfers – von dem Laden wollte keiner einen Wagen dieser Klasse kaufen – und das sollte lange so bleiben…

Der VW Santana – von Trara bis zum kontrollierten Rückzug

Volkswagen Santana
Die Linie das VW Santana war alles in allem selbst für eine Linie etwas zu linear….

1975 stampfte VW den K70 nach kaum mehr als 200.000 Einheiten ein – und dann war erst einmal Ruhe an dieser Front – einen Nachfolger gab es nicht und niemand vermisste ihn. Erst 1981 wagte VW sich wieder mit einer großen Limousine an den Markt, diesmal abgeleitet von Passat. Und obwohl der Wagen wichtig für China und Brasilien wurde: In Deutschland war er maximal irrelevant – wieder wollte niemand den Stufenheckpassat, der klar als solcher zu erkennen war, haben – obwohl es hier feine Technik, 5Zylindermotoren und ähnliches gab und eigentlich ein gutes Auto – aber mit dem Santana wolltest Du dich einfach nicht neben den Benz Deines Kollegen stellen. Zum Schluss hatte VW ein Einsehen und verkaufte den Wagen verschämt als Passat Stufenheck.

Der Bora… Hä? Was sollte das denn?

Zwischenzeitlich unternahm VW weitere verzweifelte Versuche, Premium-Limousinen zu platzieren. Während der erste Jetta und erst recht der Vento Rentnerautos waren, versuchte man den Nachfolger Bora luxuriöser, hightechiger zu positionieren – da gab es dicke 5 Ender, da gab es Allradantrieb, Schaltkulissen mit dickem Chrom – sogfar den Gipfel des Unsinns: Den Bora Kombi! Da der Golf Kombi die Plattform des Bora war, war der Bora Kombi ein Golf Kombi für mehr Geld – von dem sich VW erhoffte, in die Domäne von 3er und A4 einzudringen und im profitabel wachsenden Premium-Dienstwagen-Segment zu punkten.

Aber wir ahnen es schon: Auch dieser Versuch scheiterte in Lachhaftigkeit.

Concept D und Phaeton – der Autbahner-Traum

Als der Phaeton erste Formen annahm, waren die zunächst eher rund

Es brauchte mal wieder die brecherische Kraft eines Ferdinand Piech, um in dieser traurigen Geschichte einen Kontrapunkt zu setzen. Der VW Phaeton, zunächst geboren als Concept D, vermochte zumindest einmal einen Achtungserfolg zu verbuchen. Der Phaeton war massig, hatte Anspruch, war technisch sauber aufgesetzt und erzeugte Respekt im Rückspiegel – zumindest…. ja – zumindest bei den Leuten, die ihm vom damaligen Passat unterscheiden konnten – und davon gab es nicht genügende… Der Phaeton war dahingehend Okay, dass Du mit ihm auf den CEO-Parkplatz fahren konntest, ohne verlacht zu werden – cooler als einen A8, eine S-Klasse oder einen 7er fand ihn dann aber doch keiner. Die meisten fanden ihn sogar entschieden weniger cool – deshalb respektierten sie ihn zwar, kauften ihn aber nicht. Hinzu kam eine gewisse Fettleibigkeit – auf der Autobahn ist der Phaeton ein Traum – auf Landstraßen waren alle drei großen Wettbewerber immer deutlich besser – und dann kam zu allem Überfluss noch der große Porsche als Alternative dazu…

Am Ende willst Du beim Schwabinger Nobel-Italiener doch keinen VW Schlüssel auf den Tisch legen. Hinzu kam: Was sollte die Positionierung? Zwischen dem Phaeton und dem Passat klaffte eine zu große Lücke. Der Passat- Aufsteiger hüpfte nur selten hoch bis zum Phaeton – was also tun?

Passat 4.0 – Passat CC – CC – CC – Arteon – und jetzt?

Volkswagen CC
Pauschal keine hässliche Form – im Gegenteil, der ist regelrecht mutig. Aber innen….

VW unternahm mehrere Versuche, die Lücke sinnvoll zu schließen. Da war der unzweifelhaft coole Passat W8 4.0 – ein stattlicher Flop, aber zumindest was für Feinschmecker. Keine kaufte den Wagen, aber nach Marketinghandbuch war der schon mal nicht ganz dumm.

Schließlich entschied sich VW, zu einem Trick zu greifen, der (aus guten Gründen) in Vergessenheit geraten war. Opel und Ford hatten das Spiel früher gespielt und beispielsweise auf einer Plattform Opel Rekord und Opel Commodore gebaut – und das tat VW jetzt auch, kopierte etwas beim Mercedes CLS und launchte den Passat CC im Jahr 2008. Damals war ich zu einem meiner ersten Pressetermine eingeladen und durfte den Wagen 2 Tage lang 800 Kilometer weit auf Herz und Nieren prüfen. Da war ich zunächst einmal ziemlich gebauchpinselt – und irgendwie fand ich den Passat CC sogar cool – von Außen hatte der was, wirkte eigenständig, mutiger sogar als der A5. Aber von Innen war er so dermaßen volkswagig, da fühlte sich alles nach 140PS TDI Vertreter-Kombi an – vielleicht wurde mein damaliger Review deshalb zunächst gar nicht und dann nur unter erheblichen Veränderungen gedruckt….?

Ein gestreckter Passat mit Fließheck

Schließlich nahm man ihm den Passat im Namen weg, liftete ihn und nannte ihn nur noch CC – und wieder sah er aus wie ein aufgeblasener Passat Stufenheck… So wie der Phateon ein sehr groß aufgeblasener Passat war… Immerhin erzielten diese beiden Modelle Achtungserfolge und erschließen VW bis heute ein neues Publikum.

Der neue Passat CC, der jetzt Arteon heißt – whow: Den kannst Du richtig schick finden. Das ist eine Art sehr langer Passat mit satter fetter sehr eigenständiger Front – das ist jetzt mal wirklich kein Passat mehr. Dann das lang gezogene Heck, abfallend… Ein langer Passat mit Schrägheck….? Warte mal – das kommt uns doch irgendwie bekannt vor….?

Ein gestreckter Passat mit Fließheck

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